Seitenanzahl: 56 Seiten

Genre: Historisch Liebe, Drama, Novelle

Taschenbuch

Größe: A5

 

Inhalt:

 

Sebastien und Geneviève , Paris 1681

Geheimnisse und Königstreue. Wenn das Schicksal entscheidet.

 

Er ist der Schatten von Paris, sie die Tochter eines Adligen, die sich unermüdlich für das Wohl verwaister Kinder einsetzt. Das Schicksal will es, dass beider Wege einander kreuzen, als Geneviève Bellier eines Abends in Paris von mehreren angetrunkenen Männern bedrängt wird. Dass der jungen Frau bei diesem Übergriff nichts Schlimmeres widerfährt, verdankt sie ausschließlich jenem komplett in Schwarz gekleideten Mann, der wie aus dem Nichts zu ihrer Rettung herbeieilt. Es soll nicht bei diesem einen Aufeinandertreffen bleiben. Nur wenige Stunden später gerät Geneviève ein weiteres Mal in große Schwierigkeiten. Und erneut ist der geheimnisvolle Fremde zur Stelle, um sie vor Ungemach zu schützen. Doch wer verbirgt sich hinter der Maske?

 

Paris, Frankreich - August 1681

Lautlos durchschritt die dunkel gewandete Gestalt die Gassen der Pariser Außenbezirke, welche im Schein der Laternen noch unheimlicher wirkten, als das schon im hellen Licht des Tages der Fall war. Niemand würde sich freiwillig hierher begeben. Und genau das wusste jener völlig in Schwarz gekleidete Mann, als er in Richtung der Rue de Chaveau abbog, um dort am Hintereingang eines kleinen Gasthauses anzuklopfen und anschließend darin zu verschwinden. Er stammte definitiv nicht aus dieser Gegend. Das würde jedem auffallen, der seine Kleidung eines zweiten Blickes zu würdigen wusste. Hose, Mantel, Hemd sowie eine Maske, die zur Hälfte sein Gesicht verdeckte, waren aus edlem Tuch gefertigt. Seine Beine steckten in kniehohen Stiefeln aus feinstem Leder. Jetzt im Dunkel der Nacht würde das von niemandem bemerkt werden. - Eben darauf hatte der Unbekannte es angelegt. Er war auf einer Mission. Um  diese erfolgreich abschließen zu können, war es unabdinglich, unerkannt zu bleiben… Er war Le ombre – besser bekannt als Der Schatten von Paris.

♔♔♔

Geneviève Bellier saß im Garten des Anwesens ihres Vaters und las in einem Buch. Diesen Eindruck erweckte es zumindest bei Außenstehenden. Doch in Wirklichkeit verhielt sich die Sache vollkommen anders. Das Buch in ihrer Hand diente lediglich als Vorwand, um dem ständigen Genörgel ihres Erzeugers zu entgehen, der sie immer wieder aufs Neue daran erinnerte, dass sie – wenn auch sein einziges Kind – illegitim geboren worden war.

Nach den Erzählungen Reenes, ihrer Zofe und Vertrauten, war sie das Ergebnis einer kurzen, aber stürmischen Liaison zwischen ihm und der bekannten Pariser Schönheit Camille Bellier.

Geneviève konnte sich kaum an die Mutter erinnern, da die einem mysteriösen Fieber erlag, als sie gerade vier Jahre zählte.

Nach Camilles Tod hatte Renee das kleine Mädchen geschnappt, eine Kutsche bestiegen, und war mit nur wenigen Habseligkeiten zum Palais de Saint Jacques gefahren, um dort beim Baron vorsprachig zu werden.

So hatte es Camille in einem Brief verfügt, den sie wenige Tage vor ihrem Tod verfasst und der ein weiteres versiegeltes Schreiben enthalten hatte, auf dem neben dem Namen Claude de Lacroix auch die Anschrift des Palais’ vermerkt war.

de Lacroix war ziemlich überrascht gewesen, als Renee am helllichten Tag Einlass begehrte. Nachdem er den versiegelten Umschlag geöffnet und gelesen hatte, führte er sie, die das kleine Mädchen noch immer an der Hand hielt, ins Haus. Kurz darauf forderte er seinen obersten Hausdiener auf, für Unterbringung von Frau und Kind zu sorgen. Keine Minute später war er zur Tür hinausgestürmt, zu den Ställen hinübergeeilt und davongeritten.

Renee, ihrer einstigen Herrin und damit auch deren Tochter verbunden, hatte die Angelegenheit nicht weiter hinterfragt und sich in den ihnen zugewiesenen Räumlichkeiten, die sich im zweiten Stockwerk befanden, eingerichtet. Für die nächsten beiden Tage sah und hörte sie nichts von de Lacroix. Erst am dritten Tag nach ihrer Ankunft erbat der ihre Anwesenheit in seinem Arbeitszimmer.

Geneviève hatte nie erfahren, was in jenen zwei Stunden besprochen wurde. Doch nahm ihr Leben nach diesem Gespräch eine grundlegende Wendung.

Sie zog gemeinsam mit Renee in eines der großen Gemächer im Erdgeschoss um, und kam fortan in den Genuss, alle Privilegien der Tochter eines Adligen auszukosten.

de Lacroix trug dafür Sorge, dass sie eine angemessene Schulbildung erhielt.

So wurde sie seit ihrem fünften Lebensjahr von einem Privatlehrer unterrichtet, der ihre intellektuellen Fähigkeiten ebenso zu fördern wusste wie auch ihre künstlerische Seite. Sie erfuhr eine umfassende Ausbildung in Recht und Geschichte, aber auch in diversen Sprachen und Wissenschaften. Bereits im Alter von zwölf Jahren beherrschte Geneviève neben ihrer Muttersprache – dem Französischen – Englisch, Latein, Deutsch und Italienisch perfekt. Sie schrieb Gedichte, kleine Sonette und spielte Spinett. Darüber hinaus sang sie wundervoll.

Dennoch war Genevièves Leben sehr einsam, pflegte der Vater doch keinerlei Kontakt zu seiner Tochter. Die einzigen Lichtblicke, in ihrem tristen, wenn auch komfortablen Dasein, waren die Besuche von Sebastien de Castlemore, der, obgleich zwölf Jahre älter, immer für

sie da war, und sie später sogar den Umgang mit dem in Sebastien, dem sie schon immer auf eine besondere Weise zugetan gewesen war, verliebt zu haben. Dolch lehrte.

Als König Louis vor fünf Jahren im Juli zu einem Ball einlud, reiste sie in Begleitung von Sebastien nach Versailles. Es sollte der Tag werden, der ihr bisheriges Leben komplett veränderte, musste sie sich doch eingestehen, sich unwiderruflich

An jenem Nachmittag war sie auch dem König vorgestellt worden, der ein gesteigertes Interesse an ihrer Gesellschaft zeigte, sie in die unterschiedlichsten Gespräche verwickelte und sich zu guter Letzt nach ihrem Leben erkundigte. Bereitwillig hatte Geneviève all seine Fragen beantwortet.

Zu einem späteren Zeitpunkt philosophierte sie mit ihm und Sebastien über politische und gesellschaftliche Themen.

Es wurde sehr schnell ersichtlich, dass die erst Sechzehnjährige über einen ähnlich wachen Verstand wie Frankreichs Herrscher verfügte. Noch am gleichen Abend äußerte Louis den Wunsch, Geneviève möge Versailles künftig regelmäßig aufsuchen.

Diesem Ansinnen war sie nur allzu gern nachgekommen, nicht ahnend, welch weitreichende Konsequenzen das nach sich ziehen sollte…

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